Altmünchner Gesellenhaus

Tradition neu aufgelegt

2. Oktober 2017

Bayerische Küche ohne Touristen-Falle: Nino Schmidbauer übernahm das Altmünchner Gesellenhaus in der Adolf-Kolping-Straße, um mit regionalen Speisen einen authentischen Treffpunkt für Münchner und Wirtshaus-Freunde in der Innenstadt zu schaffen.

Wenn bayerisch auf modern macht, trifft das nicht immer jeden Geschmack – denn Schweinsbraten mit Wasabikruste in Teryiaki-Soße oder Feta-Fleischpflanzerl sind manchmal einfach zu viel des Guten für einen echten Bayer. Dass bayerisch und modern aber doch sehr gut geht, beweist Nino Schmidbauer mit dem Altmünchner Gesellenhaus in der Adolf-Kolping-Straße. Nino ist ein kreatives Multitalent, ein zähes Arbeitstier, ein kleiner Künstler – und tatsächlich auch noch ein richtig netter und bodenständiger Mensch.

Von der Architektur in die Gastronomie

Nach seiner Ausbildung zum Immobilienkaufmann merkte er im Job, dass ihn die Architektur mehr interessiert als nur Immobilien zu verkaufen. Ein Architektur-Studium mit Master-Abschluss war daher nur die logische Konsequenz. Keine naheliegende Ausbildung für einen Wirt, aber was ist schon die klassische Vita in der Gastronomie?

»Ich würde am liebsten immer kreativ arbeiten und entwerfen – einfach abreißen und neu machen. Ich mag es, Dinge zu verändern.«

Der Weg vom Architektur-Büro zum Altmünchner Gesellenhaus war kein geradliniger, sondern machte eine Abzweigung – im Michaelibad. Ja, genau, dem großen Schwimmbad im Münchner Osten. Sein Vater brachte Nino 2013 auf die Idee, gemeinsam mit ihm bei der Ausschreibung für den Neubau und das Konzept der Gastronomie im Michaelibad teilzunehmen. Die Schmidbauers gewannen – das war im wahrsten Sinne ein Sprung ins kalte Wasser, denn auf einmal war die Familie Kiosk-Besitzer mit 15 Angestellten.

Leise Töne und laute Beats

Neben der Architektur und Gastronomie hat Nino noch eine Leidenschaft, mit der er sich in München einen Namen gemacht hat: Nino ist DJ und legt in Elektro-Clubs wie der Roten Sonne, im Harry Klein, bei der Isle of Summer oder im Private Club auf. »Die Bild-Zeitung hat mich mal als Münchens angesehensten Techno-DJ betitelt. Fand ich irgendwie doof.« Ist auch irgendwie doof, weil es so gar nicht zu ihm passt. Der Münchner schlägt eher leise Töne an, ist eher zurückhaltend und definitiv nicht auf der Suche nach dem großen Publikum.

»Klar, ich bin viel unter Leuten. Das gehört ja zu meinem Beruf, aber tendenziell würde ich mich als introvertiert beschreiben.«

Zum Elektro-Auflegen in Clubs und Pommes-Ausgeben am Kiosk kam dann im November 2016 das Altmünchner Gesellenhaus dazu, das Nino zusammen mit seinem Vater und seiner Schwester vom Vorgänger übernahm. Eröffnet wurde im November 2016.

»Das Gesellenhaus war ein Wirtshaus und soll ein Wirtshaus bleiben. Bodenständig im Kern, aber mit Klasse. Modern und trotzdem in der Tradition verankert. Wir wollen hier keine Busreisen durchschleusen, sondern einen Treffpunkt für Münchner schaffen, die Wert auf authentische bayerische Gerichte mit guter Qualität legen.«

Mit seinem ästhetischen Feingefühl gestalte Nino den großen Raum neu, baute die Bar um und richtete die Terrasse im ruhigen Innenhof her. Selbst gemacht ist aber nicht nur das Interieur des Wirtshauses, sondern auch die Speisen.

»Chi-Chi gibt’s bei uns nicht, sondern eine bayerisch-österreichische Küche mit regionalen Produkten. Wozu Wasabi, wenn es Meerrettich gibt? Das ist mindestens genauso lecker. Auch Trüffelöl findet man nicht auf der Karte. Man muss ja nicht jeden Trend mitmachen und das Rad neu erfinden. Man muss es nur besser machen,«

ist Nino überzeugt. Dass er mit der Zeit geht, aber die Tradition wahren möchte, beweist auch sein Outfit. Die Kombination aus Jeanshemd und Lederhosen passt nämlich perfekt zu ihm und zum Gesellenhaus. »Hier bin ich Wirt. Aber ich bin immer noch ich. Mit Hut und Gamsbart will ich meine Gäste nicht begrüßen, aber meine Tattoos muss jetzt auch nicht gleich jeder sehen.«

Fleisch vom Jäger höchstpersönlich

Statt Spaghetti serviert Nino Schupfnudeln mit Gemüse, Renke vom Chiemsee oder Münchner Tellerfleisch. Und bald auch bayerische Tapas. Das Speiseangebot kommt gut an – und wurde sogar schon mit der Gastro Gold Medaille ausgezeichnet. »Wir haben uns wirklich sehr gefreut, dass wir so gut bewertet wurden. Und es beweist die Qualität unserer Gerichte.« Diese Qualität wird direkt und ohne Umwege aus der Region in die Adolf-Kolping-Straße geliefert. So steht der Jäger aus dem Umland wirklich in der Früh im Restaurant, um seine Beute im tiefsten bayerisch zu präsentieren. Regionaler geht’s nicht.

Die Eröffnung war der Anfang und jetzt geht’s richtig los

Trotz der vielen Projekte ist Nino entspannt, ruhig und mindestens ein so guter Zuhörer wie Redner. Auch wenn ständig das Telefon klingelt. Langsam kann das Handy aber nicht mehr ignoriert werden. Schnell noch ein paar Fotos – und weiter geht’s mit der Arbeit. Nino hat viel vor mit dem Münchner Gesellenhaus und Stillsitzen passt da so gar nicht.

Altmünchner Gesellenhaus
Adolf-Kolping-Straße 1
80336 München
089 – 54 54 49 69
info@mapanini.de

Mo-Sa: 10:00 Uhr – 23:00 Uhr