Blu Mediteraneo

Olivenöl, Meersalzflocken und eine klare Haltung

20. September 2016
Im Frühjahr 2017 hat Vasilis das Blu Mediteraneo aufgegeben. Seitdem wird in den Räumen fleißig gewerkelt. Was da wohl reinkommt?

Temperamentvoll, selbstbewusst und mit Leidenschaft – Vasilis Konstantinidis liebt nicht nur die mediterrane Küche, sondern lebt sie. Als kleine Mittelmeerinsel im Herzen Schwabings serviert das »Blu Mediteraneo« in der Bauerstraße leichte, moderne Gerichte und erlesene Weine.

Wenn jemand eine klare Haltung zu gutem Essen und zur Gastronomie in München hat, dann ist das Vasilis Konstantinidis. Der gebürtige Stuttgarter mit griechischen Wurzeln widmet sich seit über 30 Jahren mit großer Leidenschaft den Feinheiten der mediterranen Küche. Das Schwabenländle verließ Vasilis in den achtziger Jahren für die Hotelfachschule am Tegernsee. Von dort zog es ihn weiter nach Bordeaux, wo er sich zum Sommelier ausbilden ließ. Das war aber noch nicht genug und so ging es für die Ausbildung zum Patissier und Barkeeper nach Lausanne – und schließlich landete er in der bayerischen Landeshauptstadt. Vasilis ist überzeugt, dass einen guten Gastronom mehr ausmacht als nur der Spaß am Kochen.

»Ich habe mein Handwerk gelernt. Viele vermeintliche Gastronomen, die mal schnell einen Burger-Laden aufmachen, wissen überhaupt nicht, wovon sie sprechen.«

Den Wahlmünchner verwundert und verärgert die »neue Art der Esskultur in München«. Er selbst hält wenig bis gar nichts von Pizza-Buden, Burger-Läden und Salate à la Dean&David, sondern ist ein großer Verfechter der leichten, modernen mediterranen Küche mit frischen und hochwertigen Zutaten. Dafür verwendet das »Blu Mediteraneo« ausschließlich eigens produziertes Olivenöl aus Kreta und Salzflocken aus Meersalz, das Vasilis ebenfalls auf Kreta produzieren lässt. Für preisgünstiges Olivenöl aus dem Supermarkt hat er kein Verständnis. »Wenn Leute denken, dass man für fünf Euro ein richtiges Öl bekommen kann, dann weiß ich auch nicht weiter. Allein die Menge an Oliven, die Verarbeitung und die Lohnkosten lassen solche Preise auf keinen Fall zu.«

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Kobe-Rind? Nein, danke!

Vasilis steht zu dem, was er tut und wer er ist. Er will sich keinem Trend unterwerfen und serviert lieber Loup de Mer anstatt Kobe-Rind. »Ich kann nicht nachempfinden, was manche Leute unter guten Produkten verstehen und was manche Gastronomen für teures Geld servieren. Ein Tier, das nur in der Gegend herumsteht, um fett zu werden, und dabei gestreichelt wird? Das ist doch völlig pervers.« Selbstbewusst und mit langjähriger Erfahrung betrachtet er die Entwicklung seiner Zunft und die Speisekarte seiner Mitstreiter – oft mit wenig Begeisterung: »Das Menü muss interessant sein, sonst will ich das nicht essen. Ganz ehrlich: Wann habe ich das letzte Mal Hunger gehabt? Ich esse doch nicht, weil ich Hunger habe, sondern weil es mir Spaß macht.«

Weiß und türkis – mit viel Liebe zum Detail

Mildere Töne stimmt Vasilis an, wenn es um die Inneneinrichtung des »Blu Mediteraneo« geht. Die liebevolle Dekoration trägt die Handschrift seiner Frau, Vasilis‘ besserer Hälfte, die ihm mit Rat und Tat zur Seite steht und die sich um die feinen Details im Restaurant kümmert. Besonders ins Auge fallen die Arbeiten des griechischen Künstlers Giorgios Kipris. Die Fischschwärme aus Bronze verleihen dem Interieur einen mediterranen und gleichzeitig originellen Touch. Auch die goldfarbenen Lampen des Designers Axel Meise über der Bar haben ihren ganz eigenen Charme. Für Kunst an der Wand greift das gastronomische Schwergewicht schon gern einmal tiefer in die Tasche. »Klar, bin ich stolz darauf, aber in erster Linie servieren wir immer noch Essen und Trinken. Darum geht es.«

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Ob Promi oder Stammgast – die lange Erfahrung schreibt Geschichten

Als Betreiber des ehemaligen »SevenFish« und im Laufe der letzten acht Jahre des »Blu Mediteraneo« sind Vasilis schon einige ärgerliche, aber auch viele nette Geschichten passiert. So scheut er sich nicht, einem Stammgast die Tür zu weisen oder Jennifer Lopez den Gang ins Fitness-Studio nahe zu legen. Eines seiner größten Highlights: die Extra-Anfertigung eines Thunfisch-Burgers für den Gitarristen der Band »Supertramp«: »Das war im ›SevenFish‹ und er hatte keine Lust auf Fisch, sondern auf Burger. Da hab ich kurzerhand improvisiert – und jemanden glücklich gemacht.«

Rückzug und Inspiration in der Villa am Meer

Seine Familie und Freunde legen Vasilis schon lange nahe, ein Buch über seine Erlebnisse zu schreiben, doch der hat andere Pläne. Erst einmal muss das Haus auf Mykonos fertig sein, bevor die Feder in die Hand genommen wird. Als Sohn griechischer Eltern zieht es Vasilis jedes Jahr auf die Promi-Insel im Mittelmeer. Mykonos als Sinnbild für den mediterranen Lebensstil ist nicht nur ein angenehmer Rückzugsort vom Münchner Gastro-Trubel, sondern eine Quelle der Inspiration für neue Projekte und Vorhaben.

»Ich will kein Rentner werden, ich will einfach tot umfallen.«

Auch wenn Vasilis im Laufe der letzten Jahre ruhiger geworden ist, steckt immer noch ein temperamentvoller Geschäftsmann mit viel Feuer und Leidenschaft in ihm. Ausruhen und Zurücklehnen? Kommt nicht in Frage. »Ich will kein Rentner werden, ich will einfach tot umfallen.« Bis dahin wird München sicher noch viel von Vasilis hören, sehen und schmecken.

Blu Mediteraneo
Bauerstraße 1
80769 München