Über den Wolken muss der Appetit wohl grenzenlos sein

5. August 2018

85 Prozent der angebotenen Speisen in Airlines werden von den Passagieren verzehrt. Essen aus Zeitvertreib oder macht Fliegen tatsächlich hungrig? Ein paar Fakten und Mythen zum Thema Bordverpflegung.

Sind die Speisen an Bord tatsächlich salziger als am Boden?
Ja. In 10 Kilometer Höhe ändert sich das Geschmacksempfinden, denn bei einem Kabinendruck, der dem Luftdruck auf der Zugspitze entspricht, und einer Luftfeuchtigkeit von nur 10 % wird unsere Blutzirkulation zurückgefahren. Nase und Gaumen reagieren entsprechend weniger sensibel: Salz wird 20 % – 30 % weniger intensiv wahrgenommen, Zucker 15 % – 20 %. Auf den Hunger hat die Höhe aber keinen Einfluss :-D.

Wird wirklich so viel Tomatensaft an Bord bestellt?
Ja. Aufgrund des oben beschriebenen Phänomens schmeckt Tomatensaft in der Luft fruchtig, wogegen ihn viele Menschen am Boden als fahl und muffig empfinden. Außerdem ist Tomatensaft sättigend und deshalb gerade auf Kurzstrecken beliebt.

Hat jede Airline ihr eigenes Catering-Unternehmen?
Nein. Airlines lassen sich von großen System-Caterer beliefern. Spitzenreiter ist die Schweizer Gate Group mit weltweit 43.000 Mitarbeitern, gefolgt von den LSG Sky Chefs. Als größter Anbieter von Bordverpflegung und einem Umsatz von rund 3 Mrd. CHF serviert die Gate Group auf 750 internationalen und nationalen Flugrouten über 500 Millionen Passagieren jährlich kalte und warme Speisen (Stand Februar 2018). Im Zuge der Einsparmaßnahmen bei Billig-Airlines wird derzeit über Stelleneinsparungen und anderen Maßnahmen in der Branche diskutiert.

Kann ich mir mein Essen an Bord aussuchen?
Jein. Auf Langstrecken bieten viele Airlines eine Auswahl jenseits von Chicken und Pasta an. Das steht natürlich nicht auf dem Ticket, sondern erfordert Eigeninitiative. Bei der Lufthansa stehen beispielsweise 16 verschiedene Menüs kostenlos zur Verfügung, die bis 24 Stunden vor Abflug bestellt werden können. Hinter Kürzeln (sogenannten Meal-Codes) wie LSML, PRML, PFML oder AVML verstecken sich beispielsweise die Sondermahlzeiten Low Sodium Meal, Low Purin Meal, Peanut-free Meal oder Asian Vegetarian Indian Meal.

Werden übrig gebliebene Speisen weggeworfen?
Ja. Nicht ausgegebenes oder zurückgegebenes Essen wird entsorgt, da die Kühlkette zu keiner Zeit unterbrochen werden darf – was nicht gewährleistet werden kann. Laut EU-Vorschrift sind Essensspenden ebenfalls verboten. Dank statistischen Daten und sorgfältiger Planung der Airlines bleiben durchschnittlich nur zwischen 0% und 15 % Prozent der Speisen übrig.

Dürfen Pilot und Co-Pilot wirklich nicht die gleichen Speisen zu sich nehmen?
Jein. Manche Airlines empfehlen ihren Piloten aus Sicherheitsgründen nacheinander zu essen (falls einer umkippt) und unterschiedliche Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Manche haben es sogar als Vorschrift.

War früher alles besser?
Ja. In den 1950 Jahren, als Fliegen noch elitär und etwas Besonderes war, überboten sich die Köche an Bord mit kulinarischen Höhenflügen. Heute ist hochwertiges Essen von prominenten Chefköchen meist der First Class und Business Class vorbehalten. Früher war beispielsweise Metallbesteck in der Economy Class gang und gäbe, heute stochert man mit Plastikbesteck in der Currywurst für 7 Euro herum.

Schmeckt Wein anders als am Boden?
Ja. Genau wie die Speisen schmeckt auch Wein anders. Die Restsüße wird schwächer geschmeckt, dafür die Gerbstoffe stärker. Auch die Säure wirkt dominanter, weshalb Airlines keine leichten und frischen Weine anbieten. Um den richtige Tropfen in der Luft zu finden, führen Sommeliers und Winzer in der Niedrigdruckkammer Studien durch.

Welche Airline hat die beste Bordverpflegung?
Ja. Nein. Vielleicht. Puh. Die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Auf Vergleichsseiten wie Airlmeals.com oder Bordverpflegung.de schneiden durchschnittlich Turkish Airlines, Singapore Airlines und Emirates gut ab.

 

Quellen:
Fraunhofer Institut Fluglabor
Statista.de
Gate Group Annual Report 2016
LSG Sky Chefs