Café Lotti

Kuchen mit einer Portion Unternehmergeist

20. September 2016

Das »Café Lotti« in der Schleißheimer Straße ist ein einfaches, kleines Café für ein weibliches Publikum. Ja. Und nein. Denn Sabrina Lorenz ist zwar Café-Besitzerin, aber auch Business-Frau – und hat noch viel mehr vor als nur Kaffee und Kuchen.

»Ein Traum in rosa.« So betiteln viele Zeitungen ihre Artikel über das »Café Lotti«. Und in den letzten Jahren haben schon einige Blätter über den süßen Laden am Stiglmaierplatz berichtet. Schon vor sieben Jahren träumten Sabrina Lorenz und ihr damaliger Freund Achim davon, ein eigenes Café zu eröffnen. Kaum vorstellbar – denn Sabrina ist erst 27 Jahre alt und war bei der Eröffnung ihres eigenen Cafés demnach gerade erst 21. Rosafarbene Wände, glitzernde Swarovski-Kronleuchter und Vorhänge mit Blumenmuster – das »Café Lotti« ist ein wahr gewordener Mädchentraum und stellt unmissverständlich klar, wer hier zu Gast ist: Frauen zwischen 25 und 45 Jahren.

Eine Café-Besitzerin ohne Back-Leidenschaft

Wer denkt, Sabrina säße als zartes, zurückhaltendes Püppchen in ihrem Paradies, wird schon beim ersten Händedruck eines Besseren belehrt – denn die Ambergerin ist eine toughe, selbstbewusste Frau, die weiß was sie will. Und das ist nicht nur Kuchen backen und Kaffee kochen, sondern mit Menschen reden, sich austauschen, Impulse geben und einen Ort schaffen, an dem sich Menschen wohlfühlen.

»Ich bin Vollblutunternehmerin. Deshalb sehe ich das ›Café Lotti‹ nicht als Café, sondern als Unternehmen.«

Das war auch schon damals mit 21 so. Kurz nach dem Abi im Juli nahm der Gedanke der Selbstständigkeit Form an und Mitte September wurde Nägel mit Köpfen gemacht: Sonntag war die Idee spruchreif, Montag stand der Businessplan und Locations wurden im Internet gesucht, am Mittwoch fuhren die beiden nach München – und am Freitag erhielten sie die Zusage. Dann kam der Umzug nach München, die Renovierungsarbeiten und Behördengänge. Alles ging schnell und reibungslos, sodass das »Café Lotti« schon am 01.12.2009 eröffnen konnte. »Lotti« ist übrigens kein Spitzname oder eine Abkürzung, sondern einfach so frei gewählt, weil Sabrina und Achim den Namen mochten. Eine gewisse Naivität und ein bisschen Glück sind bei so einer Unternehmung nicht von der Hand zu weisen, aber in den meisten Fällen schadet das ja nicht unbedingt.

»Ich wollte nach München, weil es nicht ganz so weit weg von Zuhause, aber trotzdem eine große Stadt ist, die mich inspiriert. Ich liebe die wunderbaren Menschen hier, die tollen Läden, die fanstastisch kreative Gastronomie und die ganzen Theater, Feste und Konzerte.«

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Mit Liebe renoviert, jeden Kronleuchter von Hand zusammengebaut, die Kissen von der Mutter genäht und jedes selbst geschossene England-Bild in den Bilderrahmen geklemmt … aber wegen der Lage in einer Seitenstraße kannte niemand das neu eröffnete Café und die Gäste blieben erst einmal aus. Die ersten Monate liefen zäh. Im ersten Monat neun Gäste, im zweiten zehn – Sabrina war todtraurig und verzweifelt. In dieser Zeit reifte aber auch ein neues Bewusstsein in der blonden Kämpfernatur. Zusammen mit ihrem Mentor entwickelte sie eine Strategie und ein Leitbild, eine Philosophie wurde etabliert und die Zielgruppe in den Fokus genommen. »Mir war damals gar nicht bewusst, wen ich mit meiner Einrichtung und mit meinem Konzept eigentlich anspreche. Ich dachte, meine Gäste wären eher ältere Menschen. Aber dass hauptsächlich Frauen zwischen 25-45 kommen, war anfangs auch für mich eine Überraschung. Doch dann war mir klar, was ich tun musste.«

Sabrina ist keine klassiche Café-Besitzerin, Sabrina ist eine Unternehmerin. Da spricht auch keine Feministin, sondern eine Frau, die verstanden hat, was man für den Erfolg tun muss.

»Ich mag Männer sehr gern. Aber ganz ehrlich: Kein Mann verirrt sich ohne weibliche Begleitung in das ›Café Lotti‹.«

Leave people better than you found them

Umsatz allein bringt nicht den Erfolg, sondern eine Philosophie und die Mitarbeiter sind das offensichtliche Geheimnis. Sabrina führt das »Café Lotti« nach dem Motto »Leave people better than you found them« – und das gilt nicht nur für die Gäste, sondern auch für die 17 Mitarbeiter, die teilweise schon seit Jahren Kaffee und Kuchen im »Lotti« servieren. Sie legt großen Wert darauf, dass die Mitarbeiter zu ihr, zu den Kollegen und zum »Lotti«passen, denn es sind die Menschen hinter der Theke, die zum großen Teil durch ihren Charakter und ihre Person den Erfolg des Cafés ausmachen. »Ich suche keine Mitarbeiter, die kürzer als ein Jahr bleiben. Jeder soll sich bei mir entwickeln, seine Stärken und Schwächen kennenlernen. Das ›Lotti‹ ist eine Bühne, auf der man sich frei entfalten kann und kein Job, wo man hingeht, arbeitet und wieder heimgeht. Mir liegen meine Mitarbeiter mindestens so am Herzen wie meine Gäste – denn wir rocken das ›Lotti‹ zusammen. Ja, ich glaube, ich bin eine coole Chefin.«

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Fashion und so Kram? Nein, danke – keine Zeit dafür

Sabrina führt das »Lotti« wie ein kleines Unternehmen, das wert auf Verbundenheit, Teamgeist, Entwicklung und Vertrauen legt. Und Vertrauen muss sie haben, denn Sabrina ist selbst nur noch sonntags im »Lotti« anzutreffen, denn »vielbeschäftigt« ist untertrieben, wenn man ihre Woche betrachtet: Verwaltungskram fürs Café, das neu gegründete Frauennetzwerk »Lottis Leben« mit seinen Veranstaltungen, das BWL Studium, die IHK Ausbildung – viel Zeit für Hobbys und Entspannung bleibt da nicht mehr. Aber das macht auch nichts, denn für Sabrina ist dieses Leben die persönliche Erfüllung:

»Statt der ›Vogue‹ lese ich lieber die ›BrandEins‹ und beim Shoppen mit Freundinnen bleib ich auch gern mal vor dem Laden stehen und schau mir die Menschen an. Mir sind viele Dinge einfach zu oberflächlich. Und diese Fashion-Welt gibt mir keine Impulse.«

Doch für was immer Zeit bleiben muss, ist Qualität. Und die muss immer gesteigert werden. Dafür führt Sabrina zusammen mit ihrem Team »Maßnahmen zur Qualitätsverbesserungen« durch, die von Mitarbeiterkleidung über Produktschulungen bis hin zu Prozessoptimierung reichen. Bei so viel Business und Struktur muss man ernst und streng sein? Sabrina beweist das Gegenteil und erweckt mit ihrer lockeren Art kurz den Eindruck, als wäre man doch eher in einem rosa Paradies und nicht in einem ausgebuchten Café.

»Es gibt immer was zu tun, zu verbessern, zu korrigieren. Das ›Lotti‹ ist wie ein Baby, das niemals erwachsen wird.«

Sabrina hat noch viel vor mit dem »Café Lotti«. Das Frauennetzwerk »Lottis Leben«, das gerade zu wachsen beginnt, ist ein Teil davon. Neben einem Frauenstammtisch, Backkursen, Sportgruppen und Events gibt es auch Vorträge, bei denen Sabrina selbst als Speaker auftritt. »Ich liebe Diskussionen und ich liebe die Bühne. Das ist einfach voll meins.«

Was sonst noch so geplant ist? Ein »Lotti-Franchise«, ein »Lotti-Mobil«, ein »Lotti-Imperium«? Es bleibt spannend, was der jungen Unternehmerin noch alles einfällt.

Café Lotti
Schleißheimer Straße 13
80333 München
089 – 089-61 51 91 97
info@cafe-lotti.de

Mo – So: 10 – 18 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertage: 10 – 18 Uhr

Frühstück: 10 – 14 Uhr
Mittagsmenü: 10 – 14 Uhr
Snacks: 12 – 18 Uhr