Die Goldmarie

Essen wie im Märchen

24. November 2016

Frauenpower in der Schmellerstraße: Julia Schneider, Petra Mirwald und Karin Stüwe tischen mit regionalen, alpenländischen Gerichten in der »Goldmarie« ganz groß auf.

»Es war einmal eine Witwe, die hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig und die andere hässlich und faul.«
So beginnt das Märchen von »Frau Holle«, in dem die »Goldmarie« am Schluss mit Gold überschüttet wird. »Das ist uns bis jetzt leider noch nicht passiert.« Julia Schneider schaut zu ihrer Kollegin und Freundin Karin Stüwe rüber und beide lachen.

Ein eingeschworenes Gastro-Team

Julia, Karin und Pezi entschieden sich für den märchenhaften Namen, weil er etwas »Menschliches und Persönliches hat«. In Sendling ist aber keine Zeit für Märchenstunde, sondern es wird eine stil- und geschmackvolle Realität gelebt – mit viel Herzblut und Leidenschaft für gute, regionale Speisen. Kennengelernt haben sich die drei Frauen vor langer Zeit in der Kinderkrippe. Also, die Krippe, in der ihre Kinder untergebracht waren. Und schon bald entstand nicht nur eine Freundschaft, sondern auch ein eingeschworenes Gastro-Team, denn schon vor der Eröffnung der »Goldmarie« im Februar 2009 arbeiteten Karin, Pezi und Julia zusammen in der Gastronomie.

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Schön schlicht und unaufdringlich

Über die Brauerei wurden sie auf das etwas schäbige Restaurant in der Schmellerstraße aufmerksam. »Die Wände waren dunkelrot lackiert, alles war zugestellt und staubig,« erinnert sich Karin. Julia konnte sich damals noch nicht vorstellen, dass das etwas werden würde, Pezi und Karin waren da zuversichtlicher. Mit tatkräftiger Unterstützung der Ehemänner wurde renoviert und gewerkelt – und dem Raum eine schlichte, helle Größe gegeben. Die Einrichtung ist weder kühl noch aufdringlich, sondern zeugt von der großen Stilsicherheit des Dreigespanns. Anfangs öffnete die »Goldmarie« auch für Kaffee- und Kuchen-Liebhaber, doch so richtig lief das nicht.

»Unser Raum eignet sich nicht als klassische Kaffee-und-Kuchen-Location. Dazu ist er zu groß. Wir fokussieren uns lieber auf das Mittags- und Abendgeschäft.« – Karin Stüwe

Wenn man Karin und Julia zuhört, wie sie ganz ruhig und unaufgeregt von sich und der »Goldmarie« erzählen, kann man fast nicht glauben, dass damals, bei der Eröffnung, ein Funken Nervosität in der Luft lag. Alle drei brachten Erfahrung mit, aber dennoch war die Aufregung groß: »Unser erstes Gericht war ein Gulasch. Und wir waren alle drei super nervös, als die ersten Gäste kamen,« erinnert sich Karin.

Alle packen mit an

Nach so vielen erfolgreichen Jahren sind die drei doch um einiges gelassener und entspannter. Julia kocht nach wie vor, Pezi und Karin kümmern sich um alles andere. Mittlerweile wird auch der Nachwuchs im Service eingespannt, die Ehemänner helfen bei handwerklichen Aufgaben und kommen zum Essen vorbei. In der Speisekarte zieht sich als roter Faden eine alpenländische und regionale Küche mit ausschließlich saisonalen Zutaten:

»Quinoa ist zwar lecker, aber wir haben ihn nicht auf der Karte. Der wächst ja hier nicht.« – Julia Schneider

Dass alles tagesfrisch ist, garantiert Siggi Fuchs, Besitzer des »Waldgärtners« in Höhenkirchen. Dort pflanzt und erntet er Obst und Gemüse, das er dann in die Schmellerstraße bringt. Immer gerade das, was es halt so gibt. »Der Waldgärnter ist ein tolles Konzept. Wir wissen nie genau, was Siggi in seinen Kisten dabei hat. Aber es ist immer frisch. Dieses Jahr ging anscheinend die Chili-Ernte ganz gut. Davon haben wir nämlich gerade reichlich,« erzählt Julia lachend.

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Unten essen, oben schlafen

Ganz neu und ganz besonders in der »Goldmarie« sind die zwei Fremdenzimmer im ersten Obergeschoss des Hauses, die Julia, Karin und Pezi seit Kurzem vermieten. Früher wohnte dort der damalige Wirt mit seiner Familie. Jetzt nutzen die drei Frauen die großzügigen Zimmer, die im Stil der »Goldmarie« eingerichtet sind. Vermietet wird über Airbnb.

»Zur Wiesnzeit hatten wir ein bisschen Angst, was da passieren wird. Aber es ist alles heil geblieben.« – Julia Schneider

Julia blickt immer öfter in Richtung Küche, Karin schaut auf die Uhr. Das Mittagsgeschäft beginnt und die ersten Gäste trudeln ein.
»Auf der Wiese ging das Mädchen fort und kam zu einem Backofen, der war voller Brot; das Brot aber rief: ›Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich! Ich bin schon längst ausgebacken.‹ Da trat die Goldmarie herzu und holte mit dem Brotschieber alles nacheinander heraus«, schreiben die Gebrüder Grimm.

Schön und fleißig, ja so ist sie, die »Goldmarie«.

Goldmarie
Schmellerstraße 23
80337 München
089 – 51 66 92 72
post@goldmarie-muenchen.de

Mo-Fr: 12 – 15 & 18-24 Uhr
Sa: 18-24 Uhr