Wirtshaus Hohenwart

Wos Gscheids zwischen die Zähn‘

9. November 2016

»Servus und Grias di« – Tobi Aschenbrenner und seine Kollegen Serge Dolkhani, Sebastian Erlenmaier und Konstantin Irnsperger bringen mit dem »Wirtshaus Hohenwart« in der Gietlstraße eine feine bayerische Brise nach Obergiesing und überzeugen Alteingesessene und Zuagroaste gleichermaßen.

Von links nach rechts, von draußen nach drinnen, von der Bar in die Küche – die feschen Bedienungen in Dirndl und Lederhosen flitzen mit Bier und bayerischen Schmankerln durchs »Hohenwart« und versprühen mit ihrer Herzlichkeit einen ganz besonderen Charme. Mindestens so geschäftig wie die Servicekräfte ist Inhaber Tobi Aschenbrenner – denn Tobis Augen sind überall. Er läuft von Tisch zu Tisch, unterhält sich mit seinen Gästen, gibt dem Personal Anweisungen und packt selbst kräftig mit an. Stillsitzen? Niemals! »Ich kann das nicht und konnte das auch noch nie. Ruhig sitzen bleiben ist einfach nicht mein Ding.«

Praxis in Salzburg, Theorie in München

In der Schulzeit und im Studium blieb ihm zwar nichts anderes übrig, aber als dann klar war, dass Chemie-Ingenieur doch nicht die wahre Berufung ist, konnte sich Tobi dem widmen, für das er wirklich brennt: Gastronomie. Lebensmittel. Menschen. Nach der Tourismusschule in Salzburg ergänzte ein zweijähriges Hotelmanagement-Studium im »Hotel Königshof« die Ausbildung des 34-jährigen Münchners – denn Buchhaltung und Bürokratie gehören zur Gastronomie wie Preiselbeeren zum Schnitzel.

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Erster Stopp: Catering

Gut ausgebildet hieß es dann bei der ersten Festanstellung »Catering de Luxe«. Bei »Dahlmann« Catering war Tobi Ansprechpartner für große Kundenevents – vor allem aus dem Bereich Fashion und Lifestyle. Wie zum Beispiel ein »GQ« Event mit 2800 Gästen …
… doch halt! Stopp! Was ist das? Tobi ist abgelenkt und fokussiert das Wasserglas. Eine Fliege im Glas! Das geht natürlich nicht!

Und erst als die Mini-Fliege vom Tisch ist, geht’s weiter im Text.

»Runterkommen und schlafen ist manchmal gar nicht so einfach gewesen.«

Nach zwei Jahren Catering entschied sich Tobi für die System-Gastronomie. Als stellvertretender Betriebsleiter der »L’Osteria« Filiale in der Leopoldstraße gabs viel zu tun und wenig Schlaf. »Das war eine krasse Zeit. In der ›L’Osteria‹ ist Betrieb am laufenden Band. Da stehst du den ganzen Tag und die ganze Nacht unter Strom und kommst teilweise erst um drei Uhr nachts nach Hause. Runterkommen und schlafen ist da manchmal gar nicht so einfach gewesen.« Was für andere Menschen eine Horrorvorstellung ist, gehört für Tobi zum normalen Leben. »Ich brauche dafür auch keine Aufputschmittel oder so was. Ich bin einfach so.« Nach zwei Jahren in der Leopoldstraße war es dann so weit: Tobi wurde Betriebsleiter der »L’Osteria« im »Künstlerhaus«. Die taubenschlagähnlichen Zustände in dem renommierten Gebäude am Lenbachplatz waren dann aber auch dem Energiebündel zu stressig. Und so war nach einem halben Jahr Schluss mit Pizza und Pasta.

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Über Umwege nach Obergiesing

Nach einem kurzen Abstecher als Leiter einer »Höflinger« Filiale und einer Teilhaberschaft am Restaurant »Salo« in Schwabing ging es auf die Suche nach geeigneten Räumen für ein neues Projekt. Das »Salo« betrieb Tobi damals mit den drei Freunden, die jetzt auch zusammen das Dreamteam im »Hohenwart« bilden. Jeder der vier Jungs fragte und erkundigte sich nach Locations mit guter Lage – gar nicht so einfach in München …
… doch halt! Stopp! Was ist denn jetzt los? Ein kleines Mädchen stürmt auf Tobi zu: »Toooobiiii! Was tust du da? Mit wem sprichst du? Schau, was ich gemalt habe!« Louisa, die kleine Tochter eines Stammgastes hält ihm ein kleines Malbuch unter die Nase. Tobi lacht und blättert das Buch aufmerksam durch und betrachtet die »Kunstwerke« mit großer Geduld. »Die Malbücher haben wir aus dem ›Woolworth‹ hier nebenan. Lustig, was für Zeug der Laden hat. Aber unsere kleinen Gäste freuen sich.« Louisa redet und redet. Tobi hört interessiert zu.

Und erst als die Kleine sich wieder auf den Weg zu ihrer Mama begibt, geht’s weiter im Text.

»Hast du schon mal einem Nackerden in d’Hosentaschn glangt?«

Die Suche nach einem neuen Projekt war gar nicht so einfach bei den horrenden Preisen und einer finanziell eher bescheidenen Lage. »Hast du schon mal einem Nackerden in d’Hosentaschn glangt?« bringt Tobi die damalige Situation im schönsten Bayrisch auf den Punkt. Über die Brauerei wurden er und die drei anderen Teilhaber, Serge Dolkhani, Sebastian Erlenmaier und Konstantin Irnsperger, auf das Schmuckstück in Obergiesing aufmerksam – wobei von »Schmuckstück« zunächst nicht die Rede sein konnte. Dem ehemaligen »Hohenwart« war die Bierkneipe an der Ecke deutlich anzusehen: dreckige, kaputte Böden, eine heruntergekommene Kegelbahn, eine braune Decke und vergilbte Wände und Fenster.

»Aus den Fenstern ist 40 Jahre Kettenrauchen rausgelaufen – da ist sogar das Profi-Putzteam beeindruckt gewesen.«

Bis zur Eröffnung im Dezember 2014 war also viel zu tun. Doch mithilfe des Architekten Christoph Lampadius wurde aus der Boazn ein helles, freundliches Wirtshaus, das seinen bayerischen Kern bewahrt hat und mit modernen Komponenten aufgefrischt und verjüngt wurde. Ehrliche, bayerische Küche »mit Ausreißern nach oben« in gemütlicher Atmosphäre – das war das Ziel der Gastronomen, das auch bei der Giesinger Nachbarschaft gut ankommt. »Gerade am Anfang haben sich noch ein paar alte Haudegen hereinverirrt, die im alten ›Hohenwart‹ ›a paar Hoibe‹ zischen wollten – manch einer ist da schon enttäuscht.«

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Bierfans kommen natürlich immer noch auf ihre Kosten, aber auch für andere Geschmäcker hat das »Hohenwart« einiges zu bieten. So sieht man junge Mädels bei einem Glas Grünen Veltliner und Ziegenkäse-Salat vor den prächtigen Geranien auf der Terrasse sitzen und eine Gruppe Herren in Lederhosen prostet sich bei Schweinsbraten und Knödel im hinteren Teil des Restaurants zu. Und auch für die ganz Kleinen ist das Wirtshaus kein langweiliger »Erwachsenen-Ort«, denn neben der Kegelbahn gibt’s im »Hohenwart« auch Kinderbetreuung:

»Am Wochenende nutzen auch gern die Väter unsere Kinderbetreuung. Im Sommer fragen manche auch, ob sie das Bier auf den Spielplatz mitnehmen dürfen … Klar, warum nicht.«

Es ist spät geworden. Die Gäste machen sich auf den Weg nach Hause, in den Gläsern bleiben die Noagerl zurück. Die Schritte der Bedienungen werden langsamer, der Rauch der ausgeblasenen Kerzen liegt in der Luft und das Wirtshaus versinkt in eine laue Sommernacht. Für heute heißt es »Servus, guat Nacht und bis bald im Hohenwart.«

Wirtshaus Hohenwart
Gietlstraße 15
81541 München
089 – 69 39 75 75
wirtshaus@hohenwart.net

Öffnungszeiten
Mo-Fr ab 17 Uhr
Sa, So und Feiertag ab 11:30 Uhr