Hutong Club & Drunken Dragon Bar

Frischer Wind aus China

30. Dezember 2016

Von den Garküchen Chinas nach Schwabing: Christian Ribitzki experimentiert im Hutong Club in der Franz-Joseph-Straße mit traditionellen fernöstlichen Gerichten und zeigt, wie China-Restaurant heute geht.

Wenn man in den 80ern mal ganz was Exotisches probieren wollte, was so ganz anders und besonders war, dann ist man zum Chinesen gegangen. Zwischen goldenen Drachen und rotem Tropenholz wurden Ente süß-sauer, frittierte Frühlingsrollen und gebackene Bananen serviert und manchmal gab’s sogar noch einen Pflaumenwein gratis.
Wenn man heute zum Chinesen geht, ist das immer noch so. Aber nicht überall.

Learning by doing

Als klassischer Chinese gehen weder Christian noch der Hutong Club und die im September 2016 eröffnete Drunken Dragon Bar durch. Der gebürtige Lippstädter kommt also nicht aus China, sondern aus Ostwestfalen, ist aber schon seit seiner Kindheit ein großer Fernost-Fan. Schon im Jugendzentrum experimentierte Christian mit asiatischen Zutaten und brachte sich selbst viel bei. Den gelernten Koch zieht es immer wieder nach China oder in die Chinatowns dieser Welt:

»In San Francisco bin ich von einem Dim-Sum-Lokal zum nächsten gezogen. Ich liebe diese kleinen Gerichte und Snacks. Da hab ich mich oft völlig überfressen.«

Seit 1989 lebt Christian im Glockenbachviertel. Er kennt München und die Gastronomie gut, denn der Hutong Club und die Drunken Dragon Bar sind nicht seine ersten Projekte. Als früherer Inhaber des Eisbachs und Küchenchef diverser anderer Lokale wusste er, was er zu tun hat, was er anbieten will und wie man einen Laden richtig aufzieht.

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Mittendrin in der chinesischen Kultur

Bei seinen früheren Stationen in der Gastronomie konnte Christian seine Leidenschaft für die chinesische Küche nie ausleben, deshalb nutzte er jede Gelegenheit für lange Reisen nach Fernost – aber nicht mit Hotel und Mietwagen. Viel zu langweilig. Christian wollte in die Töpfe der chinesischen Köche schauen, sich mit ihnen austauschen und von ihnen lernen. Aber das war gar nicht so einfach. Die chinesischen Köche sind da eher verschlossen und zurückhaltend gewesen.

»Ich habe mich dann einfach mit Bloggern getroffen, in Familien gelebt und mit ihnen gegessen, die Märkte besucht und alles probiert, was mir vorgesetzt wurde. Ich wollte wissen, wie die Leute dort leben und essen.«

Besonders berührt haben Christian die Herzlichkeit, Weltoffenheit und Neugierde der chinesischen Familien und Blogger. Die familiäre Art und die freundlichen Menschen haben ihn nachhaltig geprägt und seine vielen positiven Erfahrungen waren entscheidend für die Idee eines modernen chinesischen Restaurants in München.

Die Tischsitten sind in China bekanntlich anders als in Deutschland – und viele Vorurteile erweisen sich als nicht richtig, wie sich Christian selbst überzeugen konnte:

»In den Garküchen auf der Straße ist es schon noch alltäglich, dass die Leute beim Essen auf den Boden spucken. Aber das hat mit den Tischsitten in den Familien überhaupt nichts mehr zu tun. Die essen genauso wie wir.«

In abgelegenen Provinzen und Millionen-Metropolen lernte Christian die ganze Vielfalt der chinesischen Küche kennen, die er auch im Hutong Club und in der Drunken Dragon Bar anbietet. »Manche Regionen sind sehr fischlastig, manche überhaupt nicht. Die uigurische Küche ist zum Beispiel sehr deftig und geht schon leicht ins Arabische. Auch die Teigwaren und Brote sind je nach Region unterschiedlich.«

Inspiriert von den chinesischen Garküchen

Im Hutong Club steht Christian immer noch mit in der Küche. Die Leitung hat Küchenchef Jan Rosenberger, der zuletzt mehrere Jahre als Sous Chef im Trader Vic’s im Bayerischen Hof tätig war. In der Drunken Dragon Bar schwang Christian zuerst selbst den Kochlöffel, bevor er die Küchenleitung an Jacob Weis übergab, der davor im Schloss Elmau, im Werneckehof und im Tramin arbeitete. Zusammen mit Jan und Jacob kümmert sich Christian und sein internationales Team im Hutong Club und in der Drunken Dragon Bar um chinesisches Fladenbrot, Teigtaschen und die vielen anderen traditionellen und modern interpretierten Speisen. »Wir machen den Teig für unsere Dumplings und Nudeln selbst. Da sind wir eine der wenigen in München. Es hat lang gedauert, bis ich wirklich zufrieden war mit der Konsistenz. Vor der Eröffnung haben wir viel probiert. Aber jetzt bin ich sehr glücklich mit der Qualität.« Und das ist nicht nur Christian, sondern auch die Jury des SZ Gourmet Award, den Christian völlig überrascht im Mai 2016 entgegennahm.

»Ich konnte es zuerst gar nicht glauben, als ich meinen Namen gehört habe. Dass ich den Award gewinne, hätte ich nie im Leben gedacht. Ich hatte jemand ganz anderen im Kopf.«

Schlicht, dunkel – und ohne Materialschlacht

Der Hutong Club und die Drunken Dragon Bar sind nicht zuletzt wegen der besonderen Speisekarte so beliebt, sondern auch aufgrund des einzigartigen Designs der beiden Restaurants. Zusammen mit Michael Faltenbacher und Michael Dietzel überlegte sich Christian für die Franz-Joseph-Straße ein schlichtes Design ohne große Materialschlacht und Chi Chi. Viele Ideen, Inspirationen und Umsetzungen kamen noch dazu vom Künstler Nikolaus Keller, der schon vielen renommierten Locations in München das gewisse Etwas gab.

Chinesische Zauberwesen in knalligen Farben

Für die Drunken Dragon Bar in der Müllerstraße engagierte Christian den chinesischen Künstler Boy Kong, der eine Woche lang mit viel Hingabe die bunten Symbolfiguren an die Wand malte. »Jede der Malereien hat eine Bedeutung. Neben der Küche ziert ein chinesischer Geldfrosch die Wand, der Wohlstand bringen soll. Ganz hinten befindet sich ein bunter Phönix über den Tischen. Das ist eines der chinesischen Zauberwesen und Heiligen Wächtern und steht für Glück, Wohlstand und Schutz. Auch auf den Toiletten hat sich Boy Kong künstlerisch ausgetobt. Aber das soll sich jeder selbst anschauen.«

Die beiden Restaurants sind nicht nur anders gestaltet, auch die Speisekarte ist bewusst etwas unterschiedlich. Besonders sind sie beide. Und wenn man heute mal ganz was Exotisches probieren will, was so ganz anders und besonders ist, dann sollte man Christian im Hutong Club oder in der Drunken Dragon Bar besuchen.

The Hutong Club
Franz-Joseph-Straße 28
80801 München
089 – 38 380 343
hello@thehutongclub.de

Öffnungszeiten
Täglich 18:00 – 01:00 Uhr

The Drunken Dragon Bar
Müllerstraße 51
80469 München
089 – 242 161 15
hello@thedrunkendragonbar

Öffnungszeiten
So – Do: 18:00 – 1:00 Uhr
Fr – Sa: 18:00 – 2:00 Uhr