La Kaz

Hannoveranisches Herzblut mit bayerischer Gemütlichkeit

20. September 2016

Als gelernter Koch hat Stefan Oelze schon in vielen Töpfen gerührt: Catering, Eventgastronomie, Foodstyling und schließlich das eigene Restaurant. Das »La Kaz« in der Ligsalzstraße ist mittlerweile eine feste Größe im Münchener Westend und nicht nur bei Viertelbewohnern sehr beliebt.

Ganz locker und entspannt steht Stefan hinter der Bar und schaut dem Treiben im »La Kaz« zu – kein Wunder, denn als alten Gastro-Hase kann den gebürtigen Hannoveraner so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Schon vor dem Abitur schlug sein Herz für gutes Essen und raffinierte Rezepte. Deshalb ging es nach dem Abschluss auch nicht in den Audimax, sondern zum Probekochen nach München. Voller Enthusiasmus wurde natürlich zuerst das »Tantris« angeschrieben – das aber gar keine Köche ausbildet. Dafür landete er – nicht minder schlecht – bei Sternekoch Otto Koch im »Le Gourmet«.

Kochen unter Palmen

Nach einem Abstecher ins »Vier Jahreszeiten« in Hamburg und einer kurzen Überlegung, Versorgungstechnik zu studieren, um in die väterlichen Fußstapfen zu treten, setzte Stefan dann doch ein Tourismus-Studium auf seine Kochausbildung. Und wo lässt sich das Geld fürs Studium besser verdienen als unter Palmen am Strand? Im »Robinson Club« Mallorca hieß es für den Jung-Koch Sommer, Sonne – und Büffet für die deutschen Urlauber.

»Das war schon eine tolle Zeit, damals mit Ralf Zacherl und Stefan Marquard am Herd zu stehen.«

Diesen ersten Schritten im Catering und in der Eventgastronomie folgten Riesensätze mit den »Jungen Wilden«, einer Vereinigung von ambitionierten Profi-Köchen, in der Stefan mit den heutigen TV-Kochgrößen Zacherl und Marquard auf nationalen und internationalen Veranstaltungen unkonventionelle Speisen und Neuinterpretationen servierte. Neben den internationalen Veranstaltungen und zahlreichen Catering-Events blieb der Niedersachse seiner Wahlheimat München aber treu und schwang regelmäßig den Kochlöffel im »Nage und Sauge« in der Mariannenstraße.

Wenn das Weißbier im Glas erstarrt

Aber auch das reichte noch nicht – denn nach über 90 Hochzeiten in einem Jahr und dem Job im »Nage und Sauge« fand Stefan Gefallen am Foodstyling. Nachkochen, stylen, fotografieren und fertig. Das ging eigentlich immer sehr gut, bis auf einen kleinen Vorfall: Voller Leidenschaft und Begeisterung wurde der Weißbierschaum für das traditionelle Siegerfoto des Deutschen Meisters FC Bayern präpariert. Leider hatte Stefan es etwas zu gut gemeint, und als ein Bayern-Spieler die Bierdusche eröffnen wollte … tat sich nichts. Der Weißbierschaum hielt bombenfest und das Bier wollte einfach nicht aus dem Glas. Auch eine Möglichkeit, in die Lokalpresse zu kommen.

Die »Etage Zwo« – das erste eigene Restaurant

Viel gesehen und gelernt, aber immer noch nicht genug. Der nächste logische Schritt war deshalb ein eigenes Restaurant. Zusammen mit Carl Walderdorff eröffnete Stefan 2009 die »Etage Zwo« in der Ledererstraße über dem Club »Crux«. Der Laden lief, Probleme gab es aber aufgrund des überfüllten Treppenbereichs, den sich das Restaurant mit dem Club teilte, und mit der gemeinsamen Wasserversorgung. Schlussendlich übergaben Carl und Stefan die Location den Jungs vom »Crux«, die heute die »Spezlwirtschaft« darin betreiben, und Stefan schaute sich nach einem neuen, eigenen Laden um.

»60.000 Euro?! Da hab ich mir gedacht: Das sitze ich aus.«

Als eingefleischter Westendler kennt er das Viertel in- und auswendig und hatte auch schon ein paar Läden im Visier. »Da war dieser Running-Sushi-Laden. Ich ging rein, erkundigte mich und tatsächlich wurde mir die Location mit einer Übernahme dieses Running-Sushi-Förderbands für 60.000 Euro angeboten. 60.000 Euro?! Nö, hab ich mir gedacht, das sitze ich aus.« Und das Warten hatte sich gelohnt. Kurz darauf wurde das Haus komplett saniert und nach ein paar abgewiesenen Anträgen folgte schließlich ein erfolgreiches Gespräch, sodass das »La Kaz« 2012 an den Start gehen konnte.

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Holz mit Hintergrund

Vor der Eröffnung musste erst einmal kräftig umgebaut werden. Die Decken wurden freigelegt und die Raumhöhe um gut zwei Meter ausgebaut. Damit das »La Kaz« von der Wandfarbe bis zum Lampenschirm Stefans Vorstellungen entsprach, packte er selbst fleißig mit an: Holzbalken wurden aus Forstinning geholt, die Lampen in der Schwäbischen Alb gekauft und eines der Prunkstücke des Restaurants, die Holzverkleidung an der Wand, wurde ihm vom ehemaligen Braumeister der Paulaner Brauerei geschenkt. Die Holzverkleidung war ursprünglich ein »Getreide-Pater-Noster«, der über Jahrzehnte Weizen transportierte. Die vielen Millionen Weizenkörner frästen tiefen Furchen in das Holz und verewigten sich mir einer einzigartigen Struktur. Ein echter Hingucker an der rechten Wand gegenüber der Bar.

»Das Preis-/Leistung-Verhältnis muss stimmen.«

Auch wenn er selbst in unmittelbarer Nähe wohnt, ist der Chef nicht jeden Tag in seinem Restaurant und steht nur gelegentlich selbst am Herd. Klar, regelmäßige Qualitätskontrollen sind Pflicht, aber Vertrauen in das Können der eigenen Mitarbeiter ist für Stefan Grundvoraussetzung. Seine Servicemitarbeiter sind alles motivierte Aushilfen, die dem Service eine gewisse Frische und unkonventionelle Art geben – auf Standardfloskeln wie »der Kollege kommt gleich« wird verzichet. Stefan ist professionell, gelassen und hat eine klare Prämisse: gutes Essen zu fairen Preisen.

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Ein Platz zu Ehren Helmut Fischers? Ohne die Stadt München

Dass ihm das Westend ans Herz gewachsen ist, merkt man nicht nur an der Vertrautheit mit Straßen, Läden und Menschen. Stefan ergriff sogar die Intiative für eine Umbenennung des Platzes an der Kazmairstraße Ecke Ligsalzstraße. Angeblich wurde genau dort laut Fernsehserie der »Monace Franze« geboren – und was würde da näher liegen als ein Monaco-Franze-Platz? Das sieht die Stadt bis heute anders und so befinden sich die Außentische des »La Kaz« weiter in der Ligsalz- und Kazmairstraße. Naja, ein Versuch war es wert.

Einmal Gastronom – immer Gastronom

Einmal Westend – immer Westend? Vielleicht auch nicht. Stefan ist zwar Stadtmensch durch und durch, aber seit Kurzem liebäugelt er mit den Außenregionen der Landeshauptstadt. Natürlich nicht einfach so zum Spaß. Denn eines ist sicher: einmal Gastronom, immer Gastronom. Und wer weiß, vielleicht trifft man Stefan bald nicht mehr nur an der Schwanthalerhöhe, sondern auch in Anzing bei der Arbeit an seinem neuen »Projekt«. Wer neugierig ist, muss einfach nur im »La Kaz« vorbeischauen und Stefan selbst fragen. Er hat garantiert ein offenes Ohr und ein freundliches Lächeln.

Bar und Restaurant La Kaz
Ligsalzstraße 38
80339 München
089 – 76 99 07 10
lakaz@t-online.de

Öffnungszeiten
Mo–Fr 12 – 14:30 Uhr & 17:30 – mind. 0:00 Uhr (Freitag 1:00 Uhr)
Sa 17:30 – mind. 1:00 Uhr
So 16:30 – mind. 23:00 Uhr