Lohner & Grobitsch

Ein Hauch 50er Jahre

2. November 2016

Vom Gemischtwarenladen zum Café – Kerstin Lohner verwandelt mit dem »Lohner & Grobitsch« das ehemalige Lädchen des 86-jährigen Alexander Grobitsch in einen beliebten Nachbarschaftstreffpunkt an der Schwanthalerhöhe.

Angefangen hat alles mit einem kleinen Gemischtwarenladen, den Alexander Grobitsch in den Fünfzigerjahren eröffnete, um die Westendler mit Lebensmitteln und Kurzwaren zu versorgen. Auch nach dem Tod seiner Frau wollte er seinen Laden nicht aufgeben, denn irgendwas muss man im Alter haben, das einen fit hält. Bis 2010 stand Grobitsch jeden Tag in seinem Lädchen – wenn auch zuletzt nur noch von sieben bis neun Uhr morgens.

Schneiderlehre und kaufmännische Ausbildung

Und dann kam Kerstin Lohner. Für die gelernte Schneiderin waren Nadel und Faden nach der abgeschlossenen Lehre doch nicht die große Erfüllung. Kerstin machte deshalb noch eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete im Lampenvertrieb. Nebenbei jobbte die gebürtige Schrobenhausenerin in diversen Cafés – und entdeckte ihre Leidenschaft für die Gastronomie.

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Fünfziger Jahre Charme mit großem Potenzial

Etwas ganz Eigenes machen war schon länger Kerstins Traum – aber wie und wo? In München ein Café zu übernehmen ist gar nicht so einfach. Den Gemischtwarenladen in der Sandtnerstraße hatte sie lange nicht auf dem Schirm, doch als sie den bis zur Decke vollgestopften Laden mit den hohen Fenstern und dem 50er-Jahre-Charme zum ersten Mal betrat, erkannte sie das große Potenzial sofort. Und da war sie nicht alleine.

»Herr Grobitsch hatte schon viele Anfragen. Aber er hing sehr an seinem Laden und wollte ihn nicht aufgeben. Ich gab ihm meine Nummer, mit einem Rückruf habe ich aber nicht gerechnet.«

Kerstin blieb hartnäckig und schaute immer wieder in der Sandtnerstraße vorbei. Nach einiger Zeit rief Grobitsch tatsächlich zurück, um sich mit Kerstin auf ein Eis zu verabreden. Der heute 86-Jährige schlug der großgewachsenen Blondine ein Angebot vor, dem sie gerne zustimmte: Kerstin übernimmt den Laden, Grobitsch darf aber weiter »sein Plätzchen« haben und ihr ein wenig zur Hand gehen. Und auch heute noch, sechs Jahre später, sehen sich Alexander Grobitsch und Kerstin jeden Tag. Der Weg zum Café ist für ihn auch nur ein paar Stufen, denn seine private Wohnung ist direkt mit dem »Lohner & Grobitsch« verbunden.
Vom Gemischtwarenladen zum Café ging es aber nicht von heute auf morgen:

»Wir mussten unglaublich viel entrümpeln und aufräumen – natürlich mit Zustimmung von Herrn Grobitsch. Das war anfangs gar nicht so einfach, denn Herr Grobitsch wollte sich nur ungern von seinem umfangreichen Hab und Gut trennen.«

Im gegenseitigen Einvernehmen wurden im Laufe eines Jahres Heizungen und Toiletten eingebaut, ein Tresen und eine Küche installiert, Tische gekauft, Stühle vom Flohmarkt geholt und weiß bepinselt – bis schließlich im September 2010 das »Lohner & Grobitsch« seine Türen öffnete. »Im Laden war nichts drin. Ich musste alles neu machen. Das war super viel Arbeit. Zum Glück hatte ich so tolle Unterstützung von meinen Freunden.«

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Hell, freundlich und mit farblichen Akzenten

Kerstin schaut sich in ihrem lichtdurchfluteten Café um. Draußen blüht das Westend in einem spätsommerlichen Grün, das sich sehr gut mit den dunkelbraunen Holzrahmen der hohen Fenster ergänzt. Sie zeigt auf die blau bemalten Fliesen an der Theke: »Die hab ich extra bemalen lassen mit Münchner Wahrzeichen.« Und tatsächlich: Beim genauen Hinsehen erkennt man das Rathaus, das Oktoberfest, das Münchener Kindl und viele andere stadtberühmten Motive.

Bereits seit der Eröffnung hat Kerstin eine feste Stammkundschaft, denen sie ein üppiges Frühstücksangebot, frische Salate und selbstgemachte Suppen serviert. Kerstin kennt viele Gäste persönlich.

»Ich finde es schön, wenn ich meine Gäste mit Namen ansprechen kann und ihre Geschichten kenne. Aber auch die Geschäftsleute, die drüben vom Messegelände zum Businesslunch zu mir kommen, mag ich total gern.«

Kerstin steht jeden Tag selbst in ihrer Küche und kocht und backt. Nebenbei beliefert sie frühmorgens – genau wie es Herr Grobitsch früher getan hat – Kindergärten mit frischen Lebensmitteln. Um sechs Uhr aufstehen ist zwar nicht schön, aber geht nicht anders. Die Tage sind oft lang und Kerstin ist froh, wenn sie abends das »Lohner & Grobitsch« zuschließen kann und ein bisschen freie Zeit für sich und ihren Freund hat.
Andererseits … Ein abendlicher Weinausschank mit ein paar kleinen Snacks … Das wäre schon auch eine schöne Sache. Konkret ist zwar noch nichts geplant, aber vielleicht überlegt es sich Kerstin noch einmal. Die Nachbarschaft würde sich bestimmt sehr freuen.

Lohner & Grobitsch
Sandtnerstraße 5
80339 München
089 – 69 30 92 50
info@lohnerundgrobitsch.de

Mo bis Fr: 09.00 – 18.00 Uhr
Sa und So: 10:00 – 18.00 Uhr