Spezlwirtschaft

Hausgmachtes, a Halbe Hell und Hip-Hop

21. Februar 2017

Philipp Hanrieder und seine Kollegen polieren mit der »Spezlwirtschaft« das zweitälteste Gebäude Münchens in der Ledererstraße ordentlich auf.

Zwischen dem Gewusel am Marienplatz und den Touristenströmen am Hofbräuhaus gibt es eine kleine Gasse, in der die Großstadt kurz den Atem anhält. Kein Gedränge, kein Gehetze. Ganz unscheinbar versteckt sich in der besagten Gasse hinter einem schwarzen Eisentor das zweitälteste Gebäude Münchens. Aber dann… Durch das Tor, in den schmalen Hof, die alten Treppen nach oben und … bähm! Vorbei ist es mit der Hinterhofatmosphäre.

Bayerisch mit einer Prise Hip-Hop

Die »Spezlwirtschaft« ist wie immer bis auf den letzten Platz gefüllt. Zwischen Bier und Schnitzel wird laut gelacht und geredet. Von Jung bis Alt, von Zuagroast bis Münchner Original – in der »Spezlwirtschaft« ist jeder dahoam. Wissen muss man es halt, dass in der kleinen Gasse, im versteckten Hinterhof, feine bayerische Speisen zu alten und neuen Hip-Hop-Beats serviert werden.

Zuerst essen, dann tanzen

Dahoam ist tatsächlich das treffendste Wort, wenn Philipp von der »Spezlwirtschaft« spricht. Der gebürtige Sendlinger kennt das Gebäude in- und auswendig – denn schon seit 2008 ist das 1264 errichtete Haus Philipps Arbeitsplatz. Als gelernter Veranstaltungskaufmann machte er sich im damaligen veganen Restaurant »Zerwirk« im zweiten Stock mit der Gastronomie vertraut. Wie ein guter Club funktioniert, lernte Philipp im »Crux« kennen, das sich im ersten Stock des Hauses befindet. Heute betreibt er zusammen mit seinen Kollegen Marco Reger, Thomas Nothaft und Robert Lorenz den Hip-Hop-Club und die »Spezlwirtschaft«. Die Aufgabenteilung ist dabei klar geregelt. Jeder weiß, was er zu tun hat, und ist für seinen Zuständigkeitsbereich verantwortlich. Philipp gibt in der »Spezlwirtschaft« den Ton an. Als eingefleischter Hip-Hop-Fan schaut er aber natürlich regelmäßig im »Crux« vorbei.

»Eigentlich begleitet mich Hop-Hop schon mein ganzes Leben. Wir waren nie diese Elektro-Jungs. Mittlerweile höre ich aber auch andere Sachen ganz gern.«

Dass aus der »Spezlwirtschaft« einmal ein sehr beliebtes modernes Wirtshaus wird, hätte Philipp 2012, als alles begann, nicht gedacht. Großspurigkeit oder Größenwahn sind die Dinge, die Philipp am wenigsten liegen. Der 32-Jährige ist ruhig, bedacht und überlegt sich seine Wort gut.

»Wir sind damals mit einer winzigen Karte gestartet. Aber wir standen zu hundert Prozent hinter den wenigen Gerichten.«

Philipp kann sich noch genau an die ersten Speisen erinnern: Schnitzel, Rahmfleckerl, Spinatknödel und ein Pastagericht. Ein modernes Wirtshaus eben.

Moderne Schmankerl für Fleischesser und Veganer

Auch nach so langer Zeit weiß Philipp, dass es gefährlich ist, sich auf einem bestehenden Erfolg auszuruhen und sich zurückzulehnen: »Die Schwierigkeit besteht nicht darin, ein Restaurant zu eröffnen, sondern die Qualität über lange Zeit zu halten. Man muss immer am Ball bleiben.« Und das wird nicht einfach so in den Raum gesagt. Philipp kümmert sich jeden Tag höchstpersönlich um die Speisekarte und die frischen Zutaten. Seine rechte Hand: Max Käufl, der schon von Beginn an Küchenchef ist und dem Philipp blind vertrauen kann. Besonders beliebt ist das Wiener Schnitzel mit Preiselbeeren und Erdäpfelkas, aber auch die Vegetarier und Veganer kommen mit Spinatknödel und veganem Kohlrabischnitzel in den Genuss von Max‘ Kochkünsten. Die Küche verwendet keine Convenience-Produkte und macht alles selbst. Sogar das Brot und den Jus.

Es geht auch ohne WhatsApp

Bei so viel Trubel bleibt nur wenig Zeit für ein paar ruhige Minuten. Doch Philipp weiß aktiv dagegenzusteuern: »Man wird ja nicht jünger«, grinst er, »aber so ein bisschen Ruhe schadet nicht. Manchmal lass ich jetzt sogar die Musik beim Autofahren aus.« Als Chef der »Spezlwirtschaft« hat Philipp nie wirklich Feierabend. Aber es gibt ja auch noch ein Privatleben. »Ich hab zum Beispiel kein WhatsApp mehr. Diese vielen Nachrichten dauernd waren irgendwann einfach zu viel.«

Es geht also auch ohne chatten. Aber mehr als ein paar Tage ohne die »Spezlwirtschaft«? Ohne das »Crux«? Sicher nicht. Philipp hat nämlich noch viel vor – denn es muss ja weiter vorwärts gehen.

Und das tut es schon bald. Denn noch im Frühjahr eröffnet eine zweite »Spezlwirtschaft« in Haidhausen. Ruhig wird’s dann halt später irgendwann mal.

Spezlwirtschaft Altstadt
Ledererstraße 3
80331 München
089 – 23 23 29 74
info@spezlwirtschaft.me

Öffnungszeiten
Mo – So: ab 18:00 Uhr

Spezlwirtschaft Haidhausen
Pariser Straße 34
81667  München
089 – 44 99 29 99
haidhausen@spezlwirtschaft.me

Öffnungszeiten
Mo – So: ab 17:00 Uhr